Montag, 14. März 2016

Kapitel 1-1

Seoul, Südkorea. Zehn Millionen Einwohner. Eine Stadt, die fast genauso wenig schläft, wie New York. Und mittendrin bin ich, Yoo Ji-Min, eine Vampiresse der ersten Generation. Eine Urvampirin. Wie auch immer man mich nennen möchte, ich bin jedenfalls nicht ganz normal. Ich neige dazu, mich in Worten auszudrücken, die Menschen aus diesem Jahrhundert nicht mal kennen würden. Was zum Großteil wohl daran liegt, dass ich nicht in diesem Jahrhundert geboren wurde. Oder in dem davor...Aber egal, ich schweife ab. Zu allem Überfluss habe ich einen kleinen Hang zum Drama. Ich bin hoffnungslos romantisch, zum Leidwesen meiner Mitmenschen, und weigere mich in jeglicher Form, mich zu verhalten, als wäre ich auch nur ansatzweise wie sie. Wieso auch? Ich habe Kräfte in mir, von denen sie nur träumen könnten. Kräfte, die es mir beispielsweise ermöglichen, an Hauswänden hochzuklettern, ohne Sicherung oder sonstiges unnötiges Zeug.
Und achja. Ich ernähre mich von Menschenblut.
Versteht mich nicht falsch. Ich hasse mich dafür. Ich kann es nicht mit mir selbst vereinbaren. Und doch muss ich es tun, um zu überleben. Hm? Ihr fragt euch, wieso ich mit 1268 Jahren immer noch alles tue, um zu überleben? Das ist ganz einfach. Es gibt Personen in meinem Leben, die ich nicht zurücklassen kann. Für die ich alles tun würde, egal, welchen Preis ich dafür in Kauf nehmen müsste. Und eine dieser Personen ist Kweon Young-Su. Mein Gefährte.
Es gibt niemanden, der schon so lange an meiner Seite ist, wie Yosu. Auch, wenn ich mich manchmal frage, wieso ich ihm nicht schon längst einen gezielten rechten Haken verpasst habe. Er ist stur, eingebildet, aggressiv und so ziemlich die größte Diva, die ich kenne. Und von Zeit zu Zeit habe ich wirklich das Bedürfnis, ihm den Hals umzudrehen. Doch manchmal hat dieser Kerl so seine Momente, in denen ich ihn von vorne und hinten bespringen könnte. Wenn er mich ansieht, als gäbe es nur mich auf dieser Welt. Wenn er von der Arbeit nach hause kommt und ins Bett fällt, weil er mal wieder zwei Tage in Folge die Nachtschicht übernehmen durfte. Weil er dann friedlich wirkt. Fast unschuldig und als gäbe es nichts, was wichtiger wäre, als sich für eine Weile auszuruhen, mich in seine Arme zu ziehen und seinen Gedanken nachzugehen. Die Ruhe zu genießen. Es ist unheimlich. Aber ich bin verrückt nach ihm. Noch immer, nach über 400 Jahren, die wir nun schon Seite an Seite leben.
Aber in meinem Leben gibt es nicht nur Yosu. Lasst mich von vorne beginnen. Ich möchte euch die Geschichte erzählen, wie ich die Menschen in meinem Leben kennen gelernt habe. Denn auf seltsame Art und Weise sind wir alle miteinander verknüpft.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen